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Eine Gesellschaft, die Rassismus toleriert, verletzt die Menschenrechte und ist nicht demokratisch.
Rassismus entwürdigt sowohl Opfer als auch Täter. NeRaS kritisiert und bekämpft alle Formen von Rassismus und Diskriminierung.

Beispiele

ADNB des TBB, Antidiskriminierungsreport 2006-2008, S. 17,
„Aufstand versus Resignation“:

Januar 2008: An einem Oberstufenzentrum diskriminiert eine Lehrerin im Unterricht einen Schüler, durch eine Beleidigung aufgrund seiner muslimischen Herkunft: „Gehen Sie zu Ihrem Allah, Mohammed oder wo immer Sie auch hingehören zurück". Der Schüler und seine Klasse beschweren sich und verlangen eine Entschuldigung. Die Lehrerin lässt sich auf eine Diskussion nicht ein und sagt: „Was wollen Sie jetzt machen? Mir auflauern oder meine Reifen zerstechen?“. Mündliche und schriftliche Beschwerden durch die Klassensprecher/innen beim Klassenlehrer und bei der Abteilungsleiterin bleiben ergebnislos. Nach 2 Wochen protestieren ca. 10 Schüler/innen vor dem Lehrerzimmer. Die Polizei wird gerufen. Beim Einsatzes wird ein Polizist Zeuge, wie ein Lehrer zu dem Klassensprecher sagt: „Du bist XY? Gut, dann sehen wir uns bei der Prüfung wieder!“ Diese Aussage wird dem ADNB des TBB später von dem Polizeibeamten schriftlich bestätigt. Das ADNB des TBB wird um Unterstützung gebeten. Allerdings bringen weitere Gespräche mit der Schule keine zufriedenstellende Klärung. Die Schüler empfinden keine Neutralität in den Gesprächen, sondern Parteilichkeit für die Lehrerin. Im Ergebnis ist die Klasse das Problem: die Schüler/innen seien unruhig und aggressiv. Deswegen wird ein Experte eingeladen, um der Klasse etwas über ihre Migrationsgeschichte zu erzählen. Eine Entschuldigung bleibt aus. Die Schüler/innen ziehen sich resigniert zurück.

basis & woge, Antidiskriminierungsreport 2010, S. 18

Ein Grundschüler wird von seinen MitschülerInnen immer wieder als Schwarzer beleidigt, in Streitereien beziehen sich Beschimpfungen bei ihm immer auf seine Hautfarbe. Mal steckt er das gut weg, in der Tendenz geht es ihm aber immer schlechter in der Schule. Er schläft schlecht und will nicht mehr in die Schule gehen. Als die Mutter eines Tages selber hört, wie ein Mitschüler zu ihrem Sohn ruft, »Hau doch ab! Geh dahin, wo Menschen mit so einer dreckigen Hautfarbe wie du herkommen!« und sieht, dass LehrerInnen dies mitbekommen, aber nichts unternehmen, spricht sie das Problem an. Zunächst bei der Klassenlehrerin, dann bei den Eltern der MitschülerInnen, dann bei der Schulleitung. Das führt jedoch dazu, dass nicht die rassistischen Beleidigungen als Problem gesehen werden, sondern die Mutter selbst. In einem Elternbrief wird beispielsweise formuliert »Wir sind übereingekommen, dass neunjährige Kinder keine rassistischen Einstellungen haben und ihre Äußerungen gegenüber anderen daher nicht als rassistisch bezeichnet werden können.« Die Mutter wird beschuldigt, Unfrieden in die Schule zu bringen.
Gleichzeitig berichtet der Sohn, dass er bestraft wird, wenn er sich gegen die Beleidigung wehrt. Erst als die Mutter in einer Kur erlebt, wie ErzieherInnen dort ganz selbstverständlich Grenzen setzen und diese erklären, wenn Kinder sich beleidigen, fasst sie Hoffnung, sich doch nicht mit dem schwer erträglichen Alltag an der Schule abfinden zu müssen. Sie kommt in die Beratung und bespricht die Situation und das,
was sie darin belastet: »Es ist so schwer zu ertragen, dass ich als Mutter meine Kinder nicht davor schützen kann, dass sie verletzt werden. Ich habe das Gefühl, ich werde geohrfeigt, muss aber sitzen bleiben und darf nicht schreien. Und wenn ich doch schreie, dann habe ich mich schuldig gemacht.« Gemeinsam werden verschiedene Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. Frau K. schreibt einen Brief an die Eltern und informiert die Schulbehörde, die jedoch nichts unternimmt. Die Beraterin führt ein Gespräch mit dem Sohn, um ihn zu unterstützen. Es kommt zu einem Vermittlungsgespräch mit Lehrerin, Schulleiter, Mutter und Beraterin, das jedoch ohne Ergebnis bleibt. Die Schule beharr t darauf, dass es kein Problem gebe und der Schüler zufrieden sei. Zudem lädt die Beratungsstelle zu einem Treffen mit anderen betroffenen Eltern ein. Dieses kommt nicht zustande, weil ein Elternpaar sich in der Zwischenzeit entschieden hat, die Schule zu wechseln, die anderen aus Angst vor Sanktionen nicht teilnehmen möchten. Die Situation verschär ft sich als Auseinandersetzungen um die Schulnoten hinzukommen. Frau K. bleibt nur der Wechsel der Schule. Dieser wird durch Gespräche mit der neuen Schulleitung und Klassenlehrerin gut vorbereitet. Beide zeigen großes Verständnis und positionieren sich klar, zeigen auf, wie in der Schule mit Konflikten umgegangen wird. Die Mutter findet wieder Vertrauen und der Sohn hat einen guten Start in der neuen Schule.

Die vielfältigen Ansätze der Rassismusforschung kommen im Schulunterricht nicht an. Man wirbt lediglich um das Verständnis des Einzelnen für das Fremde, tauft die "Rasse" um in "Kultur" und lässt den politischen Aspekt des Rassismus völlig außen vor. Das ist das nüchterne Fazit einer Studie der Ruhr Universität Bochum

Auszüge aus den Empfehlungen des Migrationsrates BerlinBrandenburg zum Landesaktionsplan gegen Rassismus (LAPgR)

Sprachverbote
An mehreren Berliner Schulen ist die Nutzung von Mutter/Herkunftssprachen der
Schüler_innen nicht erlaubt. Die Sprachverbote werden u.a. damit begründet, dass
die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland Deutsch sei und jede/r Schüler/in
dadurch verpflichtet sei, sich im Geltungsbereich der Hausordnung der Schule nur in
dieser Sprache zu verständigen. Es wird auch darauf verwiesen, dass durch die
Nutzung der „gemeinsamen deutschen Sprache“ dem Schulfrieden gedient werde.

Zusammensetzung der Klassen in Grundschulen und Gymnasien
In mehreren Berliner Gymnasien werden im 7. Jahrgang und auch mehreren
Grundschulen, die Klassen überwiegend oder ausschließlich mit Schüler_innen
nichtdeutscher Herkunftssprache gebildet. Die Begründung der Schulleitungen und
der Senatsverwaltung für Bildung für diese Praxis (die Organisation von
Fremdsprachenunterricht, des Religionsunterrichts sowie ausgeglichener Mädchenund
Jungenanteil) der 7. Klassen ist nicht befriedigend, da diese Praxis eine
Segregation darstellt. In den siebziger Jahren hat die Ausländer_innenregelklasse,
einen negativen Effekt für die Kinder gegeben. In den Ausländer_innenregelklassen
findet eine Marginalisierung der Kinder auf der Lehrebene statt. Das verstärkt die
Segregation.

Nicht Miteinbeziehung der Sprachen von People of Color in das Rahmenprogramm:
Berlin hat eine sehr heterogene Bevölkerung, mit vielen verschiedenen Sprachen.
Das (Fremd-) Sprachunterrichtsangebot in Berliner Schulen spiegelt jedoch diese
Pluralität nicht. Die Sprachen der meisten People of Color werden im
Rahmenprogramm der Schule (sieht man vom Türkisch im Europaschulzweig ab)
nicht als Bildungssprache berücksichtigt.

Diskriminierende Verhaltensweisen in der Schule
Schüler_innen und Eltern of Color erfahren aufgrund ihrer ethnischen Herkunft,
Hautfarbe, Religion oder Behinderung, durch verschiedene Akteur_innen in der
Schule (Schulleitung, Lehrer_innen, Mitschüler_innen, Eltern u.a.) diskriminierende
Verhaltensweisen (z.B. verbale Beleidigungen, unterschiedliche Benotung, niedrige
Schulempfehlung für weiterführende Schulen, Ethnisierung von Konflikten, usw.)

Stärkung der interkulturellen und interreligiösen Kompetenz der Schulen
Die Schulen sind Orte der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft,
Kultur, Religion. In einer Stadt wie Berlin ist diese Begegnung teilweise sehr
intensiv. Die Kompetenz der Schulakteur_innen (hier der Lehrkräfte,
Sozialarbeiter_innen und weiterem nichtpädagogischem Personal) beim Umgang
mit der vorhandenen Vielfalt vor Ort ist widersprüchlich bis gering.

Schwache Position der Eltern gegenüber der Schule und Verwaltung als Institution
Die Eltern stehen in der Schule einer professionalisierten und spezialisierten
Institution gegenüber. Sie erhalten sehr oft, die für sie wichtigen Informationen,
(insbesondere bei Konfliktsituationen) nicht über die Lehrkräfte.

Intransparente Statistik
Die statistische Erfassung von rassistischen, antisemitischen und rechtsextremistischen
Vorkommen in Schulen, auf Schulhöfen und Schulumfeldern bei der
Bildungsverwaltung ist intransparent, da nicht bekannt ist, nach welchen Kriterien
eine Zusammenstellung erfolgt.

 

 

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