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Eine Gesellschaft, die Rassismus toleriert, verletzt die Menschenrechte und ist nicht demokratisch.
Rassismus entwürdigt sowohl Opfer als auch Täter. NeRaS kritisiert und bekämpft alle Formen von Rassismus und Diskriminierung.

Was ist Rassismus?

 Rassismus = Vorurteil + Macht
 Übersetzt also, wenn jemand nicht nur Vorurteile hat, sondern auch Macht,
 um diese Vorurteile gegen andere zu nutzen, dann ist das Rassismus.

 (Quelle: Noah Sow)

Definitionen von Rassismus (Kurzversion)

Grob gesagt, besteht Rassismus aus Handlungen, Redeweisen oder Einstellungen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft bevorzugen oder benachteiligen. Seine subtileren Formen richten ebenso viel Schaden an wie unverhüllte Formen.

Institutionalisierter Rassismus ist das kollektive Versagen einer Organisation, einer Gruppe von Menschen angemessene und professionelle Dienstleistungen zu bieten, und zwar aufgrund deren Hautfarbe, Kultur oder ethnischer Herkunft. Dieser ist in Vorgängen, Einstellungen und Verhaltensweisen erkennbar, die durch Vorurteile, Unwissenheit, Gedankenlosigkeit und rassistische Klischees diskriminierend wirken und Angehörige ethnischer Minderheiten benachteiligen. Rassistische Vorfälle und Schikanen können in jeder Institution vorkommen, egal wie viele Schüler/innen mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund dort tatsächlich vorhanden sind.

Ein rassistischer Vorfall ist ein Vorfall, den das Opfer oder irgendjemand anders als rassistisch empfindet.

(Quelle: www.kompass.humanrights.ch)

Definitionen von Rassismus - (noch eine Kurzversion)

Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall die Existenz der anderen in Frage. Rassische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen. Unabhängig von seiner Herkunft kann Rassismus jeden Menschen betreffen. Die Konvention der Vereinten Nationen unterscheidet nicht zwischen rassischer und ethnischer Diskriminierung. Ein erweiterter Rassismusbegriff kann auch eine Vielzahl anderer Kategorien mit einbeziehen. Menschen mit rassistischen Vorurteilen diskriminieren andere aufgrund solcher Zugehörigkeit, institutioneller Rassismus verweigert bestimmten Gruppen Vorteile und Leistungen oder privilegiert andere. Rassistische Theorien und Argumentationsmuster dienen der Rechtfertigung von Herrschaftsverhältnissen und der Mobilisierung von Menschen für politische Ziele. Die Folgen von Rassismus reichen von Vorurteilen und Diskriminierung über Rassentrennung, Sklaverei und Pogrome bis zu sogenannten „Ethnischen Säuberungen" und Völkermord.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus)

Rassismus Definition NeRaS - Langversion

einige Formulierungen übernommen von den Internetseiten der
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) e.V.
und des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e.V. (IDA)

Rassismus ist die bewusste und unbewusste Hierarchisierung und Diskriminierung von Menschen auf Basis konstruierter Differenzen äußerlicher und/oder kultureller Art, die mit einer Aufteilung der Gesellschaft in die dazu gehörenden ("wir") und die nicht dazu gehörenden ("ihr") einhergeht. Die zugeschriebenen physiognomischen und/oder kulturellen Differenzierungen werden mit positiven ("wir") oder negativen ("ihr") Merkmalen (Charakter, Moralität, Vernunftbegabung, etc. …) verknüpft.

Die bestehenden Machtverhältnisse (Mehrheitsverhältnisse, Gesetzgebung, Geld, Staatsgewalt, Zugang zu Medien und Bildung, etc. …) setzen die Etablierung eines gesellschaftlichen "Wissens" um diese vermeintlichen Differenzen und künstlichen Zuschreibungen durch und ermöglichen damit Ausgrenzung und Unterdrückung der als nicht-dazugehörig Definierten. Gleichzeitig kann Rassismus als Rechtfertigung bestehender Verhältnisse von gesellschaftlicher Ungleichheit und als Legitimation von Herrschaft und Unterwerfung dienen.

Rassistische Handlungen entstehen häufig nicht aus Böswilligkeit, sondern aus bewusster oder unbewusster Ignoranz gegenüber der Bedeutung und der Konsequenzen dieser Handlungen. Rassistische Handlungen, auch solche, die von den Handelnden nicht als solche eingestuft werden, sind immer herabwürdigend, diskriminierend und in ihren Auswirkungen gravierend.

Die gesellschaftliche, strukturelle Verankerung dieser Gewalt- und Entmenschlichungspraxen verweist auf Rassismus als Phänomen der Mitte der Gesellschaft, das zwar in Handlungen einzelner Individuen zum Ausdruck kommt, ohne die gesellschaftliche Verankerung aber nicht erklärbar ist. Rassistische Repräsentationen werden in Medien und Kunst, in Erziehung und Wissenschaft tradiert, was zu einer problematischen Normalisierung psychischer wie physischer rassistischer Gewalt führt. Rassismus unterliegt unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und manifestiert sich dementsprechend in verschiedenen gesellschaftlichen Praxen.

Wichtig ist dabei festzuhalten, dass es nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine biologischen Menschenrassen gibt, und der Begriff Rassismus aus einem veralteten Bild der Existenz unterschiedlicher Menschenrassen stammt. Da es keine Aufteilung in Rassen aus biologischen Gründen geben kann, muss jedwede Hierarchisierung und Diskriminierung durch künstlich konstruierte Differenzen entstehen, welche wiederum durch Bildung und Tradition verstärkt oder vermindert werden.

Allerdings sind es leider nicht die rassistischen Routinen, Traditionen und Strukturen, die im gesellschaftlichen Diskurs als Problem wahrgenommen werden, sondern nur die rassistischen Handlungen von Individuen, vorzugsweise am rechten Rand der Gesellschaft, die es zu informieren, zu überzeugen oder strafrechtlich zu verfolgen gilt. Mit diesen sich auf Individuen und Einzelfälle konzentrierenden Reaktionen geraten die mindestens genauso wichtigen und langfristig entscheidenden strukturellen rassistischen Unterdrückungs- und Barriereinstanzen - ob gewollt oder nicht, sei dahin gestellt - fälschlicherweise aus dem Blick.

Antirassismusarbeit beginnt demzufolge mit einer Aufklärungsarbeit über die Strukturen der Entstehung, Verbreitung und Ausnutzung von künstlichen äußerlichen und/oder kulturellen Differenzen bei Menschen sowie der Aufklärung über die gravierenden herabwürdigenden und diskriminierenden Folgen von Rassismus – auch bei fehlender Böswilligkeit und auf Ignoranz basierenden Handlungen. Antirassismusarbeit manifestiert sich im Kern durch Handlungen, welche rassistische Strukturen aufdecken und auflösen, um dem individuellen Rassismus die Basis zu entziehen.

 

Was für Vorfälle können als rassistisch betrachtet werden?

Die im Folgenden aufgelisteten Handlungen können als rassistische Vorfälle betrachtet werden:

Körperliche Belästigung: umfasst die offensichtlicheren Beispiele gewalttätiger Angriffe oder körperlicher Einschüchterung von Kindern oder Erwachsenen aus Minderheitengruppen, ebenso „geringfügigere“ Einschüchterungen, die sich in ihrer Wirkung summieren können.

Verbale Belästigung: Beschimpfung der Angehörigen von Minderheiten und jede Lächerlichmachung des Hintergrunds oder der Kultur einer Person (z.B. Musik, Kleidung oder Essgewohnheiten) sind die offensichtlichsten Beispiele. Es gibt auch weniger offensichtliche Formen verbaler Misshandlung durch Lehrer/innen, Schüler/innen oder andere Erwachsene, z.B. spontane rassistische Bemerkungen, die beleidigend sind.

Verweigerung der Zusammenarbeit und Verachtung: Die Weigerung von Angehörigen der Schule/Bildungseinrichtung, mit Angehörigen von Minderheiten zusammenzuarbeiten, seien es Schüler/innen, Lehrer/innen, Ausbilder/innen, Jugendleiter/innen und andere, kann einen rassistischen Vorfall darstellen, wenn erkennbar ist, dass dies aus rassistischen Gründen geschieht oder wenn die Betroffenen dies so empfinden. Auch Verachtung kann unbeabsichtigt sein, wenn sich z.B. ein/e Lehrer/in gegenüber den kulturellen Gewohnheiten eines Schülers/einer Schülerin derart ignorant zeigt, dass der/die Betroffene sich belästigt oder unangenehm berührt fühlt.

Witze, Wörter und Organisationen: rassistische Witze und rassistisches Vokabular, das Tragen von rassistischen Insignien, Ansteckern, T-Shirts etc., rassistische Graffiti, das Verteilen rassistischer Literatur oder Plakate, die Anwesenheit rassistischer oder faschistischer Organisationen in der Schule oder in der Nähe sowie die Verbreitung von möglicherweise diskriminierenden Klischees durch Erwachsene.

Unterschwellige Vorfälle: Viele rassistische Vorfälle haben eher unterschwelligen Charakter. Solche Hinterhältigkeiten sind oft am schwierigsten aufzudecken und zu verarbeiten. Viele rassistische Vorfälle unter Schüler/innen oder Student/innen ereignen sich nicht in Anwesenheit von Lehrpersonen oder anderen Erwachsenen. Daher ist es wichtig, dass Schulen Strategien entwickeln, um die gesamte Schulgemeinschaft für solche Vorfälle zu sensibilisieren, damit sie diese thematisieren.

(Quelle: www.kompass.humanrights.ch)

Praktische Gesichtspunkte für die Entwicklung einer antirassistischen Strategie

Für den Umgang mit rassistischen Schikanen und Vorfällen muss die Institution Schule (oder die Organisation) eine Strategie entwickeln und umsetzen. Es ist wichtig, dass sich der Umgang mit rassistischen Vorfällen mit der allgemeinen Politik und Praxis der Schule/Organisation deckt. Die Punkte sind als „besonders, aber nicht separat“ anzusehen. Praktische Gesichtspunkte sind:

  • Eine eindeutige politische Stellungnahme muss klarstellen, dass rassistische Vorfälle oder rassistische Schikanen auf keinen Fall geduldet werden.
  • Die Schule sollte eine klare Aussage treffen, wie bei einem rassistischen Vorfall vorzugehen ist.
  • Die gesamte Strategie der Schule einschließlich des Vorgehens bei rassistischen Vorfällen muss sich auf alle Angehörigen der Einrichtung erstrecken: Schulleitung, Angestellte (Lehrende und andere), Eltern, Schüler/innen, und Besucher/innen.
  • Es darf kein Zweifel daran bestehen, dass alle Angehörigen einer Schulgemeinschaft die Pflicht haben, rassistische Schikanen und Vorfälle zu überwachen und dagegen vorzugehen.
  • Die Strategie sollte konsequent sein, damit allen Beteiligten bewusst ist, was von ihnen erwartet wird.
  • Es sollte klargestellt werden, dass auf einen Vorfall unmittelbar reagiert werden muss, sobald er auftritt oder bekannt wird.
  • Jede weitere Reaktion auf einen Vorfall sollte innerhalb eines vorher vereinbarten Zeitplans erfolgen.

(Quelle: www.kompass.humanrights.ch)

Die Tatsache, dass Rassismus nur aus einer Machtposition heraus ausgeübt werden kann,
ist sogar gesetzlich festgehalten, und zwar im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz:

Positive Maßnahmen sind keine Diskriminierung
AGG §5
Unterschiedliche Behandlungen sind zulässig, wenn bestehende Nachteile durch geeignete und angemessene Maßnahmen ausgeglichen werden sollen. Positive Maßnahmen sind nicht als Diskriminierung zu werten und sollten auch nicht als „positive“ Diskriminierung verstanden werden, da Diskriminierung seinem Wesen nach negativ ist.

Beispiel: Stellenausschreibungen, in denen Formulierungen wie „Frauen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt“ oder „Menschen mit Migrationshintergrund werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt“ verstoßen nicht gegen das AGG, solange bestehende Nachteile, also der geringere Anteil von Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund, ausgeglichen werden sollen.

Mehrfachdiskriminierung

Diskriminierung kann nicht nur aufgrund einer Dimension, wie z.B. Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Identität, sondern aufgrund von zwei oder mehreren Dimensionen stattfinden. Personen können also gleichzeitig mehreren benachteiligten Gruppen angehören und ganz bestimmten Formen von Diskriminierungen ausgesetzt sein. In Situationen, in denen Diskriminierung aus mehr als einem Grund zum Tragen kommt, wird von «Mehrfachdiskriminierung» gesprochen.

Mehrfachdiskriminierung wird in der Literatur unterschiedlich definiert und auch als additive, verstärkende oder intersektionelle Diskriminierung bezeichnet.

Additive Diskriminierung
Die additive Diskriminierung beschreibt eine Situation, in der Diskriminierung aus mehreren Gründen separat zum Tragen kommt. So kann eine Person in einer Situation aufgrund eines Merkmals und in einer anderen Situation aufgrund eines anderen Merkmals diskriminiert werden.
Beispiel:. Eine Frau tritt eine neue Stelle an und erhält aufgrund ihrer Behinderung nicht den vollen Versicherungsschutz. Nach einem halben Jahr stellt sie im Gespräch mit einem Arbeitskollegen fest, dass sie bei gleicher Qualifikation für die gleiche Tätigkeit einen viel tieferen Lohn erhält.

Verstärkende Diskriminierung
Die verstärkende Diskriminierung beschreibt eine Situation, in der eine Person aufgrund von mindestens zwei Dimensionen gleichzeitig diskriminiert wird. In einem solchen Fall wird eine Dimension durch weitere Diskriminierungsgründe verstärkt, das heisst, die Diskriminierungsgründe kumulieren sich.
Beispiel: Eine lesbische Frau stellt sich zur Wahl für ein Exekutivamt. Sie wird abgelehnt, einerseits, weil sie als Frau nicht in der Lage sein soll, ein solches Amt auszuüben und andererseits, weil homosexuelle Menschen in einer solchen Position nicht erwünscht sind.

Intersektionelle Diskriminierung
Bei der intersektionellen Diskriminierung greifen mehrere Dimensionen und interagieren miteinander, so dass sie nicht voneinander zu trennen sind.
Beispiel: Ein dunkelhäutiger, junger Mann wird von der Polizei ohne konkretes Verdachtsmoment einzig aufgrund seines Geschlechts, seines Alters und seiner Hautfarbe auf Drogenbesitz kontrolliert (racial profiling).

(Quelle: www.mehrfachdiskriminierung.ch)

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